Waldbrände in Europa: Die wachsende Bedeutung präventiver Waldpflege

Wie können Jungbestandspflege, Vegetationsmanagement und Brennstoffmanagement zur Waldbrandprävention und zu widerstandsfähigeren Wäldern in Europa beitragen?

Der Klimawandel, längere Trockenperioden und zunehmende Waldbrandrisiken stellen die europäische Forstwirtschaft vor neue Herausforderungen. Dabei rücken nicht nur die Früherkennung und Bekämpfung von Waldbränden in den Fokus, sondern zunehmend auch Maßnahmen, die die Brandintensität verringern und die Ausbreitung von Feuer begrenzen können.

Ein vielversprechender Ansatz besteht darin, klassische Waldpflegearbeiten stärker in langfristige Strategien zur Waldbrandprävention einzubinden. Jungbestandspflege, Freischneidearbeiten, die Entfernung konkurrierender Vegetation und die gezielte Pflege des Unterstands können neben ihren waldbaulichen Zielen auch einen Beitrag zur Reduzierung des Waldbrandrisikos leisten.

Mit diesem Thema beschäftigen sich im fachlichen Austausch Davi Müller, Business Development Manager für Deutschland bei Best Planter, mit einem Masterabschluss in Forestry System Transformation von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) sowie praktischer Erfahrung im Umgang mit Waldschäden und Waldbränden, und Alexander Held, Senior Expert für Fire, Silviculture and Wildlife am European Forest Institute (EFI).

In den vergangenen zwei Jahren nahmen beide Experten am Waldbrand-Camp in Polen teil, wo sie sich mit Strategien des Waldbrandmanagements, präventiven Maßnahmen und deren praktischer Umsetzung auseinandersetzten.

Aus diesem fachlichen Austausch ergibt sich eine zentrale Frage: Wie lassen sich bestehende Waldpflegearbeiten so planen, dass sie nicht nur die Entwicklung der Waldbestände fördern, sondern gleichzeitig zur Verringerung des Waldbrandrisikos beitragen?

Waldbrandprävention beginnt bei der Vegetationsstruktur

Das Verhalten eines Waldbrandes wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören Wetterbedingungen, Geländeform, Feuchtigkeit der Vegetation sowie die Menge und räumliche Verteilung brennbarer Materialien.

Während sich Wetter und Topografie nicht beeinflussen lassen, kann die Vegetationsstruktur in ausgewählten Waldbereichen gezielt gestaltet werden.

Genau hier setzt das Brennstoffmanagement (Fuel Management) an. Darunter versteht man Maßnahmen, die darauf abzielen, die Menge brennbarer Vegetation zu reduzieren, ihre Verteilung zu verändern und damit Bedingungen zu begrenzen, die eine intensive Brandausbreitung begünstigen.

Von besonderer Bedeutung sind die horizontale und vertikale Kontinuität der Brennstoffe.

Dichte Grasvegetation, Sträucher, Unterwuchs und tief ansetzende Äste können Verbindungen zwischen dem Waldboden und den höheren Vegetationsschichten schaffen. Über diese Strukturen kann sich ein Bodenfeuer unter bestimmten Bedingungen bis in die Baumkronen ausbreiten.

Solche vertikalen Verbindungen werden als Ladder Fuels bezeichnet – im Deutschen häufig als Leiterbrennstoffe beschrieben.

Die amerikanische National Wildfire Coordinating Group (NWCG) verwendet diesen Begriff für brennbare Materialien, die eine vertikale Verbindung zwischen Bodenbrennstoffen und Baumkronen herstellen und dadurch den Übergang von einem Bodenfeuer zu einem Kronenfeuer begünstigen können.

„Bei der Waldbrandprävention kommt es nicht nur auf die Menge des brennbaren Materials an, sondern auch darauf, wie es im Bestand verteilt ist. Die Vegetationsstruktur hat einen erheblichen Einfluss darauf, wie sich Feuer im Wald ausbreiten kann. Deshalb kann eine fachgerecht geplante Bestandspflege ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Waldbrandvorsorge sein.“

— Alexander Held, European Forest Institute (EFI)

Die Unterbrechung solcher Brennstoffverbindungen ist eine Möglichkeit, das potenzielle Brandverhalten zu beeinflussen. Durch gezielte Vegetationspflege können vertikale Verbindungen reduziert und die Kontinuität brennbarer Materialien verringert werden.

Allerdings können solche Maßnahmen Waldbrände nicht vollständig verhindern. Ihre Wirksamkeit hängt von den örtlichen Bedingungen, der Brandintensität und den eingesetzten Pflegeverfahren ab.

Jungbestandspflege: Für gesunde Waldbestände und eine bessere Waldbrandvorsorge

Die Jungbestandspflege und das Vegetationsmanagement gehören zu den grundlegenden Aufgaben einer professionellen Forstwirtschaft. Ziel dieser Arbeiten ist es, die Konkurrenz zwischen Pflanzen zu reduzieren, die Entwicklung ausgewählter Baumarten zu fördern und langfristig stabile, gesunde und qualitativ hochwertige Waldbestände aufzubauen. Bei entsprechender Planung können dieselben Maßnahmen jedoch auch eine zusätzliche Funktion in der Waldbrandprävention übernehmen.

So können beispielsweise Freischneidearbeiten, die Entfernung dichter Konkurrenzvegetation, die Auslichtung des Unterstands und die Aufastung von Bäumen die räumliche Verteilung brennbarer Materialien verändern. Dadurch lässt sich die vertikale Brennstoffkontinuität reduzieren und unter geeigneten Bedingungen die Wahrscheinlichkeit verringern, dass ein Bodenfeuer auf die Baumkronen übergreift. Besonders relevant ist dies in Waldbereichen mit dichter Vegetation oder an Standorten, an denen aufgrund örtlicher Bedingungen ein erhöhtes Waldbrandrisiko besteht.

„Jungbestandspflege betrachten wir in erster Linie als Investition in die zukünftige Qualität eines Waldes. Bei der Planung dieser Arbeiten können wir jedoch auch die Brennstoffstruktur berücksichtigen. Auf diese Weise kann dieselbe Pflegemaßnahme zwei Ziele unterstützen: eine bessere Bestandesentwicklung und die Verringerung des Waldbrandrisikos.“

— Davi Müller, Best Planter

Dabei ist wichtig, dass nicht jede Jungbestandspflege oder Vegetationsentnahme automatisch zu einer Verringerung des Waldbrandrisikos führt. Eine ungeeignete Durchforstungsintensität oder unzureichend behandelte Schnittreste können beispielsweise das Mikroklima verändern und die Menge oberflächennaher Brennstoffe erhöhen. Deshalb sollten Waldpflegearbeiten mit einem zusätzlichen Präventionsziel stets auf die jeweiligen Standortbedingungen, die Bestandesstruktur und die langfristigen waldbaulichen Ziele abgestimmt werden.

Shaded Fuel Breaks: Waldbrandvorsorge unter Erhalt der Waldstruktur

Ein praktischer Ansatz des Brennstoffmanagements ist die Anlage strategisch platzierter Brennstoffreduktionsstreifen, sogenannter Fuel Breaks. Ihr Ziel besteht darin, die Menge und Kontinuität brennbarer Materialien in bestimmten Bereichen zu reduzieren, das Brandverhalten positiv zu beeinflussen und günstigere Voraussetzungen für die Brandbekämpfung zu schaffen.

Ein solcher Streifen muss jedoch nicht zwangsläufig eine vollständig geräumte Fläche ohne Bäume und sonstige Vegetation sein. Ein Beispiel dafür sind Shaded Fuel Breaks – beschattete Brennstoffreduktionsstreifen, bei denen die Verringerung brennbarer Vegetation mit dem teilweisen Erhalt des Kronendachs kombiniert wird. Dabei wird der Unterstand selektiv ausgelichtet, Leiterbrennstoffe werden entfernt, untere Äste aufgeastet und die Bestandesdichte bei Bedarf reduziert.

Gleichzeitig bleibt ein Teil des Kronendachs erhalten.

Die verbleibende Beschattung kann dazu beitragen, die direkte Sonneneinstrahlung auf den Waldboden zu verringern, dessen Erwärmung zu begrenzen und günstigere mikroklimatische Bedingungen zu erhalten. Die National Wildfire Coordinating Group beschreibt Shaded Fuel Breaks als Bereiche, in denen Brennstoffmengen reduziert werden, während eine ausreichende Kronenbedeckung zur Beschattung erhalten bleibt.

In der Praxis können solche Bereiche entlang von Waldwegen, strategisch wichtigen Zufahrten oder an anderen für das Waldbrandmanagement relevanten Standorten angelegt werden. Ihre Breite, Bestandesdichte und Pflegeintensität hängen unter anderem von der Topografie, den vorherrschenden Baumarten, dem lokalen Waldbrandrisiko und der vorgesehenen Funktion des Streifens ab.

„Ein Fuel Break muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Waldstreifen vollständig freigeräumt wird. Durch die gezielte Reduzierung des Unterwuchses und die Entfernung von Leiterbrennstoffen lässt sich das Brandverhalten beeinflussen, während ein Teil des Kronendachs erhalten bleibt. Entscheidend ist, dass solche Maßnahmen an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst und regelmäßig gepflegt werden.“

— Alexander Held, European Forest Institute (EFI)

Shaded Fuel Breaks stellen keine absolute Barriere gegen Waldbrände dar.

Unter extremen Wetterbedingungen können Feuer auch solche Bereiche überwinden. Fachgerecht geplante und gepflegte Brennstoffreduktionsstreifen können jedoch unter bestimmten Bedingungen die Brandintensität verringern und den Einsatzkräften bessere Möglichkeiten zur Kontrolle der Brandausbreitung bieten.

Professionelle Waldpflegeteams als wichtiger Bestandteil der praktischen Waldbrandprävention

Ein wirksames Brennstoffmanagement erfordert nicht nur eine fachgerechte Planung, sondern auch qualifiziertes Personal für die praktische Umsetzung. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, Vegetation selektiv zu behandeln: Welche Bäume sollen erhalten bleiben? Welche Konkurrenzvegetation muss entfernt werden? Wie stark sollte der Bestand aufgelichtet werden? Und an welchen Stellen ist eine Aufastung sinnvoll? Hier können erfahrene Waldpflegeteams, die mit manuellen und motormanuellen Verfahren arbeiten, eine wichtige Rolle übernehmen.

Die selektive Vegetationspflege ermöglicht es, Maßnahmen gezielt an die Anforderungen einzelner Waldbestände anzupassen. Dies ist insbesondere in schwierigem Gelände, auf empfindlichen Böden oder in heterogen aufgebauten Beständen relevant, in denen der Einsatz schwerer Maschinen nur eingeschränkt möglich oder sinnvoll ist.

Auch mechanisierte Verfahren bleiben ein wichtiger Bestandteil des Brennstoffmanagements, beispielsweise wenn große Flächen innerhalb kurzer Zeit bearbeitet oder mineralische Brandschutzstreifen angelegt werden müssen. Ihre Einsatzmöglichkeiten und Auswirkungen unterscheiden sich jedoch von denen einer langfristigen, selektiven Bestandspflege.

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist der Umgang mit dem anfallenden Schnittmaterial.

Werden Sträucher, Unterwuchs oder untere Äste entfernt, kann die vertikale Brennstoffkontinuität reduziert werden. Bleiben jedoch größere Mengen feiner Pflanzenreste auf dem Waldboden zurück, kann die Menge oberflächennaher Brennstoffe vorübergehend zunehmen.

Deshalb muss professionelles Brennstoffmanagement auch die Behandlung der anfallenden Biomasse berücksichtigen – etwa durch geeignete Verteilung, Mulchen, Abtransport oder andere standortangepasste Verfahren.

Erfahrungen aus Portugal: Wenn Waldpflege Teil eines umfassenden Präventionssystems wird

Südeuropäische Länder, die seit vielen Jahren mit großflächigen Waldbränden konfrontiert sind, haben umfangreiche Erfahrungen mit präventiven Maßnahmen gesammelt. Ein Beispiel ist Portugal, wo spezialisierte Forstteams, die sogenannten Sapadores Florestais, verschiedene Aufgaben im Bereich der Waldbrandvorsorge übernehmen. Dazu gehören präventive forstliche Maßnahmen, Brennstoffmanagement, Vegetationspflege sowie weitere Tätigkeiten im Zusammenhang mit Waldbrandprävention und -bekämpfung.

Dieses Modell zeigt, wie Vegetationsmanagement zu einem kontinuierlichen Bestandteil eines umfassenderen Waldbrandmanagementsystems werden kann, anstatt lediglich als einzelne Maßnahme durchgeführt zu werden. Die portugiesischen Erfahrungen verdeutlichen außerdem die Bedeutung regelmäßiger Pflege.

Vegetation, die bei einer ersten Maßnahme entfernt wurde, wächst im Laufe der Zeit wieder nach. Brennstoffmanagement muss deshalb als fortlaufender Prozess verstanden werden, der wiederkehrende Eingriffe erfordert. Allerdings unterscheiden sich die Wald- und Klimabedingungen Süd- und Mitteleuropas deutlich.

Verfahren, die in Portugal eingesetzt werden, lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Deutschland, Österreich oder andere mitteleuropäische Länder übertragen. Sie müssen an die jeweiligen klimatischen Bedingungen, Waldstrukturen und waldbaulichen Anforderungen angepasst werden.

Der wachsende Bedarf an präventiver Waldpflege in Mitteleuropa

In Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern führt die zunehmende Bedeutung klimaresilienter Wälder dazu, dass auch die Rolle klassischer Waldpflegemaßnahmen neu betrachtet wird. Gleichzeitig steht die Forstwirtschaft vor Herausforderungen durch Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel. Jungbestandspflege, Freischneidearbeiten und selektives Vegetationsmanagement bleiben personalintensive Tätigkeiten. Die erfolgreiche Umsetzung langfristiger Präventionsmaßnahmen hängt deshalb nicht nur von wissenschaftlich fundierter Planung ab, sondern auch von ausreichenden praktischen Kapazitäten. Hier können erfahrene forstliche Dienstleistungsunternehmen einen wichtigen Beitrag leisten.

Best Planter verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Durchführung von Pflanzarbeiten, Jungbestandspflege und Vegetationsmanagement in verschiedenen europäischen Ländern.

Das Unternehmen ist auf die Organisation großer, mobiler und erfahrener Forstteams spezialisiert, die Projekte unter unterschiedlichen Standortbedingungen und in verschiedenen Größenordnungen umsetzen können. Diese Erfahrung in der selektiven Vegetationspflege bildet eine praktische Grundlage, um bestehende forstliche Kompetenzen auch bei Projekten einzusetzen, die gezielt Brennstoffmanagement und Waldbrandprävention berücksichtigen.

„Maßnahmen zur Waldbrandprävention sind häufig sehr personalintensiv, insbesondere wenn Vegetation auf größeren Flächen selektiv gepflegt werden soll. Erfahrene und mobile Forstteams ermöglichen es, solche Arbeiten auch in größerem Umfang umzusetzen. Entscheidend bleibt jedoch, dass jedes Projekt entsprechend den konkreten Anforderungen des jeweiligen Waldes geplant wird.“

— Davi Müller, Best Planter

Solche Arbeiten können beispielsweise die Auslichtung des Unterstands, Freischneidearbeiten, die selektive Entfernung konkurrierender Vegetation, den Erhalt von Zielbaumarten, die Aufastung sowie die Pflege strategischer Vegetationsstreifen umfassen.

Um tatsächlich einen Beitrag zur Waldbrandprävention zu leisten, ist jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Waldeigentümern, Forstbetrieben, waldbaulichen Fachleuten und Experten für Waldbrandmanagement erforderlich.

Durch diese Zusammenarbeit können klassische Waldpflegearbeiten gezielter in langfristige Strategien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Wäldern integriert werden.

Waldpflege und Waldbrandprävention: Gemeinsam in die Zukunft

Waldbrandprävention umfasst weit mehr als die Anlage von Brandschutzstreifen, die Überwachung von Waldbrandereignissen oder den Ausbau von Einsatzinfrastruktur. Sie kann bereits bei den Entscheidungen beginnen, die im Rahmen der regulären Waldpflege getroffen werden.

Jungbestandspflege, selektives Vegetationsmanagement und strategisches Brennstoffmanagement können sich gegenseitig ergänzen, wenn sie auf die waldbaulichen und präventiven Ziele eines konkreten Waldgebietes abgestimmt werden.

Ein solcher integrierter Ansatz bietet die Möglichkeit, zwei wichtige Ziele miteinander zu verbinden: die Entwicklung gesunder, stabiler Waldbestände zu fördern und gleichzeitig bestimmte Faktoren zu reduzieren, die eine intensive Brandausbreitung begünstigen können.

Die Zukunft der Waldbrandprävention könnte deshalb nicht nur von neuen Technologien und spezialisierter Infrastruktur abhängen, sondern auch von einer besseren Planung und konsequenteren Umsetzung der alltäglichen Waldpflege.

Hier können forstliche Praxiserfahrung, wissenschaftliche Forschung und Fachwissen aus dem Waldbrandmanagement zusammenwirken, um die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wälder langfristig zu stärken.

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